Magengeschwüre bei Pferden
Studien zufolge leiden 40 bis 90 % der Sportpferde an Magengeschwüren. Doch warum sind Magengeschwüre bei Sportpferden so verbreitet? Sehen wir uns dieses häufige Problem genauer an und gehen wir der Frage nach, wie wir es verstehen und möglicherweise verhindern können.
Was sind Magengeschwüre?
Um besser zu verstehen, warum Magengeschwüre bei Pferden auftreten, müssen wir zunächst die Funktionsweise des Pferdemagens verstehen. Der Magen eines Pferdes ist in zwei Bereiche unterteilt: die squamöse Region (oberer Teil), in der keine Drüsen Magensäure produzieren, und die Drüsenregion (untere Hälfte), in der Salzsäure (HCl) gebildet wird. Die squamöse Region besteht aus Zellen, die nicht gegen Magensäure resistent sind. Daher muss unbedingt verhindert werden, dass Magensäure in diesen Bereich zurückfließt. Die Drüsenregion ist in der Regel vor der produzierten Magensäure und dem damit verbundenen niedrigen pH-Wert geschützt.
Pferde haben sich an eine faserreiche und stärke- sowie zuckerarme Ernährung angepasst. Auch das Fressverhalten ist entscheidend, denn das Verdauungssystem der Pferde ist auf eine über 24 Stunden verteilte Futteraufnahme ausgelegt. Deshalb produzieren Pferde ständig Magensäure, auch wenn sie nicht fressen. Raufutter, Speichel und Wasser spielen eine wichtige Rolle dabei, diese Magensäure zu verdünnen und zu puffern.
Wie entstehen Magengeschwüre?
Im Gegensatz zur Magensäure wird Speichel nur beim Kauen produziert. Speichel ist wichtig, um die Magensäure zu verdünnen und zu puffern. Durch natürliches Fressverhalten wird die Speichelproduktion aufrechterhalten. Ist der Zugang zu Raufutter oder Wasser eingeschränkt, wird die Magensäure möglicherweise nicht ausreichend verdünnt und gepuffert. Dadurch steigt das Risiko für Magengeschwüre in der squamösen Region des Magens.
Bei uneingeschränktem Zugang zu Raufutter liegt der pH-Wert in der squamösen Region zwischen 5 und 7, während er in der Drüsenregion zwischen 2 und 3 liegt. Diese pH-Werte unterscheiden sich nicht nur zwischen den Magenabschnitten, sondern schwanken auch im Tagesverlauf und je nach Fütterung. Eine geringere Raufutteraufnahme kann den pH-Wert in der squamösen Region auf 4 oder darunter senken. Dadurch steigt das Risiko für Magengeschwüre in der squamösen Region. Außerdem können Magengeschwüre auch in der Drüsenregion auftreten.
Wissenswertes: Der Oberbegriff für Magengeschwüre lautet Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS). Befindet sich das Magengeschwür in der squamösen Region des Magens, wird es als Equine Squamous Gastric Disease (ESGD) klassifiziert. Befindet sich das Geschwür in der Drüsenregion, wird es als Equine Glandular Gastric Disease (EGGD) klassifiziert.
Was sind die Symptome von Magengeschwüren?
Nicht alle Pferde zeigen Symptome, doch Anzeichen für Magengeschwüre können sein:
- Kolik
- Gewichtsverlust
- Veränderungen des Appetits
- Durchfall
- Flehmen
- Zähneknirschen
- Verhaltensänderungen
Wenn Sie vermuten, dass Ihr Pferd ein Magengeschwür hat, wenden Sie sich für eine Diagnose an einen Tierarzt.
Risikofaktoren und Vorbeugung von Magengeschwüren in der squamösen Region
Die Risikofaktoren für ESGD (Equine Squamous Gastric Disease, Magengeschwüre im Plattenepithelbereich) bei Pferden können variieren. In der Fachliteratur werden jedoch Raufutter, Training und der Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten im Futter beschrieben.
Raufutter
Es hat sich gezeigt, dass ein Raufuttermangel zu einem erhöhten Risiko für Magengeschwüre führen kann. Um dies zu verhindern, ist es wichtig, Pferden unbegrenzt Raufutter anzubieten oder längere Zeiträume (mehr als 4 Stunden) ohne Raufutter zu vermeiden.
Raufutter bietet mehrere Vorteile: Es regt die Speichelbildung an, verdünnt aufgrund seines großen Volumens die Magensäure und bildet im Magen eine schützende „Matte“ gegen den Rückfluss von Magensäure.
Training
Auch das Training kann das Risiko von Magengeschwüren bei Pferden beeinflussen. Intensives Training kann durch Magenkontraktionen dazu führen, dass der Plattenepithelbereich Magensäure ausgesetzt wird. Raufutter vor dem Training scheint eine puffernde Wirkung zu haben und kann das Risiko verringern.
Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten im Futter
Der Gehalt an nicht-strukturellen Kohlenhydraten wie Zucker und Stärke im Futter kann ebenfalls bei der Entstehung von Magengeschwüren eine Rolle spielen. Es wird empfohlen, Pferde auf Raufutterbasis zu füttern und Ergänzungsfutter mit niedrigem Zucker- und Stärkegehalt zu verwenden. Bei der Fütterung von Kraftfutter kann dieses mit einer Raufuttermischung wie Hartog Digest gemischt werden, um die Auswirkungen des Kraftfutters auf den Magen zu verringern. Außerdem sollte man vermeiden, große Mengen Kraftfutter zu füttern, wenn mehr Energie benötigt wird oder das Pferd zunehmen soll. In diesen Fällen eignen sich Produkte auf Faserbasis und/oder Pflanzenöl.
Risikofaktoren und Vorbeugung von Magengeschwüren im Drüsenbereich
Bei EGGD (Equine Glandular Gastric Disease, Magengeschwüre im Drüsenbereich) gibt es weniger eindeutige Risikofaktoren. Es wurden mehrere Studien durchgeführt, bisher wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen der Ernährung und EGGD festgestellt. Normalerweise ist der Drüsenbereich vor Magensäure geschützt, wodurch Magengeschwüre in diesem Teil des Magens verhindert werden. Offenbar ist ein Verlust dieses Schutzes die Ursache von EGGD. Weitere Forschung ist nötig, um die ernährungsbedingten Risiken und die Vorbeugung von EGGD besser zu verstehen.
Fazit und weitere Informationen
Dieser Artikel gibt einen Einblick in das Thema Magengeschwüre bei Pferden. Wenn Sie jedoch mehr darüber erfahren möchten, haben verschiedene Experten auf diesem Gebiet ihr Wissen in einer Konsenserklärung zum aktuellen Kenntnisstand über Magengeschwüre zusammengetragen: „Equine Gastric Ulcer Syndrome: An Update on Current Knowledge“. Die Informationen in diesem Artikel stammen aus dieser Erklärung.
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