Du willst ein gesundes, leistungsfähiges und zufriedenes Pferd? Dann fängt alles bei der Rohfaser an. In dieser Wissensreihe erklärt Maartje in kurzen Folgen, warum das so ist – von der Verdauung über das Raufutter bis zum Kauen und zum Verhalten.
Kurze Antwort
Rohfaser ist die Basis der Pferderation, weil der Verdauungstrakt des Pferdes darauf ausgelegt ist. Bakterien in Blinddarm und Dickdarm fermentieren Faser zu flüchtigen Fettsäuren, also langsam verfügbarer Energie. Zusätzlich sorgt faserreiches Raufutter für Kauzeit und Speichel, was den Magen schützt, und beschäftigt das Pferd viele Stunden am Tag.
Warum ist Rohfaser für Pferde so wichtig?
Ein Pferd ist ein Dauerfresser. In der Natur ist es bis zu achtzehn Stunden täglich mit der Aufnahme von faserreichem Raufutter beschäftigt. Der Verdauungstrakt ist genau darauf abgestimmt: ein relativ kleiner Magen, ein kurzer Dünndarm und ein großer Dickdarm voller Bakterien, die Faser fermentieren.
Diese Reihenfolge bestimmt, wie du eine Ration aufbaust. Raufutter ist der Ausgangspunkt. Kraftfutter ergänzt dort, wo das Raufutter den Bedarf nicht deckt. Nicht umgekehrt. Als Richtwert gelten mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Trockensubstanz aus Raufutter pro Tag. Bei einem Pferd mit 600 kg sind das mindestens 9 kg Trockensubstanz.
Was leistet Rohfaser konkret für dein Pferd?
Sie liefert Energie. Faser wird im Dickdarm zu flüchtigen Fettsäuren (FFS) fermentiert. Das ergibt eine gleichmäßige Energieversorgung, ohne die Spitze, die Zucker und Stärke erzeugen.
Sie schützt den Magen. Raufutter zu fressen kostet Kauzeit, und Kauen bildet Speichel. Speichel und das Raufutter selbst helfen, die Magensäure abzupuffern. In einer belgischen Kohortenstudie mit 200 Pferden war eine niedrige Raufutteraufnahme mit einem höheren Risiko für Magengeschwüre assoziiert.
Sie sorgt für Ruhe. Ein Pferd, das lange mit Fressen beschäftigt ist, langweilt sich im Stall weniger. Raufutter ist damit auch eine Frage des seelischen Wohlbefindens.
Wer ist Maartje Reitsma?
Maartje ist Nutritionist bei Hartog und hat Tierwissenschaften an der Universität Wageningen studiert. Ihr Blick auf die Pferdefütterung dreht sich um die Rohfaser – ein Grund, warum sie in einem Unternehmen arbeitet, das seit über siebzig Jahren Gras und Luzerne trocknet.
Welche Themen behandelt die Reihe?
Die Folgen greifen Themen auf, die alle mit Rohfaser zu tun haben:
- was Rohfaser genau ist und wie das Pferd sie verdaut
- warum zu viel Zucker und Stärke schiefgeht
- Kauen, Speichel und Magengesundheit
- die verschiedenen Raufutterarten
- der Trockensubstanzgehalt deines Raufutters
- wie viel Raufutter dein Pferd tatsächlich aufnimmt
- was Raufutter für das Verhalten deines Pferdes bedeutet
Womit fängst du heute an?
- Schau zuerst auf dein Raufutter, erst danach auf das, was ergänzt werden muss.
- Wiege einmal, was tatsächlich in dein Heunetz geht.
- Verteile das Raufutter über den Tag, damit keine langen Fresspausen entstehen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Rohfaser braucht ein Pferd pro Tag? Rechne mit mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Trockensubstanz aus Raufutter pro Tag. Für die meisten Pferde liegen 2 % näher an der Praxis.
Ist Rohfaser dasselbe wie Raufutter? Nein. Raufutter ist das Produkt – Heu, Heulage, Gras, ein Häcksel. Rohfaser sind die strukturierten Kohlenhydrate darin. Raufutter ist allerdings mit Abstand die wichtigste Faserquelle.
Kann ein Sportpferd genug Energie aus Rohfaser ziehen? Häufig ja. Nährstoffreiche Faserquellen wie Luzerne können einen großen Teil des Energiebedarfs decken. Folge 3 geht darauf ein.
Quellen
- Merck Veterinary Manual – Nutritional Requirements of Horses and Other Equids: https://www.merckvetmanual.com/management-and-nutrition/nutrition-horses/nutritional-requirements-of-horses-and-other-equids
- Galinelli N. et al. (2021), High intake of sugars and starch, low number of meals and low roughage intake are associated with Equine Gastric Ulcer Syndrome in a Belgian cohort, Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jpn.13215
- Sykes B.W. et al. (2015), ECEIM Consensus Statement – Equine Gastric Ulcer Syndrome in Adult Horses, Journal of Veterinary Internal Medicine: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jvim.13578